Düngen mit Verstand, Maß und Ziel



JOSEF LUX ist Leiter des Raiffeisen-Laborservice in Ormont und selbst begeisterterHobbygärtner.
Der Kontakt mit dem Gartenboden erdet und fasziniert ihn.
Er ist ausgebildeter Landwirt und Handelsfachwirt 
und hat den Laborservice vor 30 Jahren aufgebaut,
um die landwirtschaftliche Produktion umweltfreundlicher und kostengünstiger zu machen.
Inzwischen nutzen auch viele Gartenfreunde den Laborservice aus der Eifel.

Lesen Sie hier den Intervietext aus der Fachzeitschrift kraut & rüben zum Thema Bodenanalysen und umweltschondende Düngung:





kraut & rüben: Ihre Auswertung von über 14.000 Bodenproben aus privaten Gemüsegärten zeigt eine chronische Überversorgung mit Phosphor.
Woher kommt das?

Viele Hobbygärtner unterschätzen die Konzentration der Düngemittel. Es wird nur grob abgewogen und im Zweifelsfall lieber ein bisschen mehr gegeben.
Flüssigdünger sind auch nur auf den ersten Blick anwenderfreundlich, denn 1 Kappe auf 10 Liter kann man gut dosieren, aber auf wieviel Fläche bzw. Pflanzen verteilt man die 10 Liter?
Da wird es schwierig und es landet meist zu viel im Boden.
Dass zu viel Phosphor in den Böden steckt, ist aber auch ein Erbe aus der Vergangenheit.
Früher haben Hobbygärtner Thomasphosphat in rauen Mengen ausgebracht.
Weil Phosphor kaum ausgewaschen wird und nur eine geringe Mobilität im Boden besitzt, ist es auch 50 Jahre später noch da.

kraut & rüben: Was kann man tun, wenn im Boden zu viel Phosphor vorhanden ist?

Es ist wie mit dem Salz in der Suppe. Man müsste mit unbelasteter Erde verdünnen, doch das ist schwierig.
Kleinräumig ist es möglich, etwa im Gewächshaus.
Können Starkzehrer den Phosphorgehalt reduzieren?
Selbst eine stark zehrende Pflanze entzieht dem Boden maximal 1–3 mg Phosphor pro Jahr.
Wenn wir – wie nicht gerade selten– 150 mg Phosphor pro kg Boden in der Probe haben, kann man sich ausrechnen,
dass man hier sehr lange kein Phosphor mehr düngen muss.

kraut & rüben: Ab sofort gar kein Phosphor mehr zu düngen, würde aber etwas helfen?

Theoretisch schon, doch das ist in der Praxis nicht so leicht. Denn mit Stickstoff (N), dem limitierenden Faktor für das Pflanzenwachstum,
sind viele Gartenböden unterversorgt, was Düngen generell nötig macht.
In der Regel sind Dünger für Hobbygärtner aber Mehrnährstoffdünger – Phosphor ist immer mit dabei.
Kunden, die eine Bio-Düngeempfehlung wünschen, raten wir in solchen Fällen zu reinen Stickstoffdüngern wie Schafwollpellets, Aminoprodukten
aus Reststoffen aus der Lederherstellung, Hornmehl oder -spänen.

kraut & rüben: Warum ist oft zu wenig Stickstoff in den Böden?

Nur in etwa 30 Prozent der Proben ist der Stickstoffgehalt in Ordnung.
40 Prozent der Proben zeigen einen Mangel an verfügbarem Stickstoff, der Rest ist überversorgt.
Das liegt daran, das Stickstoff schnell ausgewaschen wird und existierender Stickstoff oft auch nicht ausreichend von den Bodenlebewesen
mineralisiert wird.

kraut & rüben: Wie steht es in Ihren Analysen um das Bodenleben und wie messen Sie das?

Knapp zwei Drittel aller Proben zeigen ein niedriges oder sehr niedriges Bodenleben.
80 Prozent des Bodenlebens sind Mikroorganismen, keine Krabbeltierchen.
Wir zählen also nicht, sondern messen die Stoffwechselaktivität des Bodenlebens.
Dazu messen wir in einem dichten Gefäß, in dem sich das Bodenmaterial befindet, den Druckverlauf innerhalb
von 4 Tagen bei 22 °C mithilfe eines Drucksensors.
Man erkennt daran, wieviel CO2 von einer bestimmten Menge Bodenmaterial freigesetzt
wurde und rechnet das auf einen Quadratmeter um.
Das Ergebnis zeigt, wie aktiv das Bodenleben ist.
Anhand dieses Werts kann man Aussagen über die Stickstofffreisetzung im Boden treffen.
Also wieviel organisch gebundener N im Boden mineralisiert werden wird.

Es gibt in der Natur keinen wichtigeren, keinen der Betrachtung würdigeren Gegenstand als den Boden.
Es ist ja der Boden, der die Erde zu einem freundlichen Wohnsitz des Menschen macht.
Allein er ist es, der das zahllose Heer der Wesen erzeugt und ernährt, auf denen die belebte Schöpfung und unsere Existenz letztlich beruhen.

Frédéric Albert Fallou (1794-1877)

 

kraut & rüben: Was sind die Hauptursachen für mangelndes Bodenleben und was kann man tun?

Überdüngung und falsche Bodenbearbeitung.
Wir empfehlen EM-Präparate, den Boden mit Organischem zu mulchen und eine angepasste Düngung.
Erst testen, dann düngen!

kraut & rüben: Was spielt der pH-Wert für eine Rolle und kann ich ihn auch selbst mit einem Teststreifen bestimmen?

Die pH-Testkits bieten eine grobe Orientierung.
Im Labor werden die Bodenproben allerdings feinst gemahlen und mit Calciumchlorid-Lösung aufgeschlämmt.
Danach wird die Wasserstoffaktivität mit Elektroden potentiometrisch gemessen.
Das ist viel genauer.
Mit den Streifen misst man nur den pH-Wert der wässrigen Lösung– er ist meist ein wenig höher als der richtige.

kraut & rüben: Den pH-Wert kann man über Kalkgaben erhöhen. Wie kann man ihn senken?

Man kann elementaren Schwefel geben, wobei dieser erst von Mikroorganismen bearbeitet werden muss.
Wenn wir eine Humusanalyse machen, messen wir auch den Carbonatgehalt, also den Anteil von anorganischen Kohlenstoffen wie Kalk.
Wenn jemand einen alkalischen pH-Wert von 7,4 im Boden hat und einen hohen Wert an Carbonaten (aus früherer Düngung z. B.),
dann gibt es fast keine Möglichkeit, den Boden zu versauern, denn Carbonate puffern.
Damit der Boden saurer wird, müsste man so viel Schwefel zugeben, dass der Boden übel mit Schwefel überversorgt wäre.
Am besten arbeitet man stattdessen mit reinen Spurenelement-Düngern.
Denn der Kalkgehalt an sich ist für Pflanzen oft gar nicht das Problem, sondern der Umstand, dass
wichtige Spurenelemente durch die Carbonate immobilisiert werden.
Vor allem Mangan, Eisen, Bor und Zink.
Es gibt ein für den Laien fast unüberschaubares Geflecht an Wechselwirkungen, wenn irgendwas im Übermaß vorhanden ist.

kraut & rüben: Die Umweltauswirkungen überdies nicht zu vergessen, oder?

Über die Landwirtschaft wird viel geschimpft, aber privat wird schlimmer überdüngt.
Die Privatgartenfläche in Deutschland beträgt ca 6800 km2, das ist in etwa so viel wie das ganze Saarland und nicht zu vernachlässigen.
Gott sei Dank findet ein Umdenken statt. Auch Hobbygärtner versuchen besser und vor allem organisch
zu düngen, doch auch das hat seine Tücken.

Viele Gärtner und Böden sind "Blaukorn-Opfer":
Sie leiden unter den Folgen jahrzehntelanger Überdüngung.
Düngen Sie nicht, wenn Sie nicht wissen, was Boden und Pflanzen brauchen, 
denn allzu oft sind die Folgen für Umwelt und Bodengesundheit verheerend.
Wenn Sie eine Bodenanalyse gemacht haben, werden Sie sich wundern,
wie wenig Sie für eine naturgemäße Düngung brauchen.

 

kraut & rüben: Sie meinen das schwarze Gärtner-Gold, den Kompost?

Auch hier gilt: viel hilft nicht viel. Manche kippen schubkarrenweise Kompost auf ihre Beete und wundern sich,
wenn irgendwann nichts mehr geht, weil alles sich gegenseitig behindert.
Wenn man genug Stickstoff mit Kompost ausbringen will, bringt man automatisch zu viel Phosphor und auch Kalium aus.
Gar keinen Kompost zu geben, ist aber auch keine Lösung, denn das Bodenleben braucht organische Masse.
Die Pflanzen brauchen wiederum das Bodenleben, das Nährstoffe pflanzenverfügbar macht.
Wir raten dann zu kleinen Mengen an Kompost (ca. 1 Liter/m2) und möglichst reinen Stickstoff- oder Einzelkomponentendüngern, je nach Bedarf.
In unserem Düngershop gibt es kleine Gebinde davon.

Das Interview führte Corina Steffl

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